Kostenfrei ist der Vorgang der Auskunftserteilung. Der Betreiber prüft, ob er im angefragten Gebiet Anlagen führt, und schickt zurück, was er dazu hat. Dafür berechnet er nichts.
Nicht abgedeckt ist alles, was davor und danach passiert. Wer die Auskunft braucht, muss zuerst herausfinden, wen er überhaupt fragen muss, dann jeden dieser Wege einzeln bedienen, anschließend nachfassen, wo nichts zurückkommt, und am Ende sortieren, was in unterschiedlichen Formaten eintrifft. Diese vier Schritte stehen auf keiner Rechnung, aber sie sind der wahre Aufwand, und der steht im Stundenzettel.
Der erste Aufwand entsteht, bevor eine einzige Anfrage rausgeht. In Deutschland betreiben nach einer Fachschätzung rund fünfzehntausend Unternehmen Leitungsnetze. Allein bei Strom führte die Bundesnetzagentur zuletzt achthundertsechsundsechzig registrierte Netzbetreiber, bei Gas standen Anfang 2026 sechshundertdreiundachtzig Verteilnetzbetreiber in der Liste.
Ein einzelnes Sammelportal deckt davon einen Ausschnitt ab. Das größte arbeitsteilige Portal in Deutschland nennt über einhundertfünfzig angeschlossene Infrastrukturbetreiber und schreibt seinen Nutzern ausdrücklich ins Regelwerk: „Es liegt in Ihrer Verantwortung, weitere Betreiber eigenständig zu kontaktieren.“
Die nicht angeschlossenen sind dabei keine Randerscheinungen. Bei einer Stichprobe unter zehn großen Netzbetreibern mit öffentlich einsehbaren Bedingungen mussten acht separat angesprochen werden. Für jeden dieser acht fällt der volle Weg an: suchen, Zugang klären, Anfrage stellen, nachhalten.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich eine einmal erarbeitete Liste nicht wiederverwenden lässt. Konzessionen sind gesetzlich befristet und werden neu vergeben. Ein Gebiet kann seinen Versorger wechseln, ohne dass sich unter der Straße etwas ändert. Der Rechercheaufwand fällt damit nicht einmal an, sondern bei jedem Projekt neu.
Ist der Kreis bestimmt, beginnt die Arbeit, die an der kostenlosen Leitungsauskunft niemand sieht. Die Wege sind nicht vergleichbar.
Manche Betreiber nehmen die Anfrage über ein eigenes Portal entgegen, mit eigener Registrierung, eigener Freischaltung einzelner Datenbankbereiche und eigenen Nutzungsbedingungen. Andere arbeiten mit Formularen, wieder andere mit E-Mail, und einzelne halten Papierpläne zur Abholung bereit.
Auch die Anforderungen an die Anfrage selbst gehen auseinander. Wo eine Stelle die Katasterangabe aus Gemarkung, Flur und Flurstück verlangt, hängt der Zeitaufwand daran, in welchem Bundesland das Vorhaben liegt. Mancherorts steht die Angabe ohne Anmeldung im Kartenportal, anderswo braucht es ein kostenpflichtiges Abonnement oder ein Konto bei der Behörde. Für einen bundesweit tätigen Betrieb heißt das: sechzehn Zugangswege, die niemand einmal einrichtet und dann vergisst.
Jede dieser Besonderheiten verlangt beim ersten Mal am meisten Zeit und danach immer noch etwas, weil sich Zugänge, Ansprechpartner und Anforderungen ändern.
Dieser Posten ist der teuerste, weil er sich der Planung entzieht.
Wartezeit an sich fällt kaum ins Gewicht. Schwer wiegt sie dadurch, dass niemand sagt, wie lang sie ist. Sichtet man die Bedingungen zehn großer Netzbetreiber, findet sich bei keinem eine Bearbeitungsfrist in Arbeitstagen. Was man findet, sind Formulierungen zwischen „ohne Wartezeiten“ und „kann einen Moment dauern“. Auf so etwas lässt sich kein Bauzeitenplan stützen.
Die bekannte Ausnahme ist der Bahnbereich, wo mindestens vier Wochen Bearbeitung und vier bis sechs Wochen insgesamt genannt werden. Wer eine solche Stelle im Baufeld hat und es zu spät merkt, verliert nicht Stunden, sondern einen Monat.
Weil sich der Nachzügler nicht vorhersagen lässt, muss jeder Vorgang einzeln beobachtet werden. Genau daraus entsteht der Aufwand: nicht aus dem Warten, sondern aus dem Nachhalten von zehn oder zwanzig offenen Vorgängen über mehrere Wochen, ohne dass einer davon durchrutscht.
Hinzu kommt, dass ein großer Teil dieser Mühe ins Leere läuft. Bei manchen Betreibern liegt der Anteil der Anfragen ohne Zuständigkeit bei bis zu achtzig Prozent. Der Aufwand entsteht trotzdem, denn vorher weiß man nicht, welche Anfrage die eine mit Treffer ist.
Was zurückkommt, ist kein Ergebnis, sondern Material. PDF neben Rasterbild neben eingescannter Papierkopie, jedes in seinem Maßstab, jedes mit eigener Zeichenlogik, dazu Anschreiben mit Auflagen und Fristen, die sich unterscheiden.
Und die Fristen laufen weiter. Ein bundesweiter Telekommunikationsanbieter setzt für seine Planunterlagen eine Gültigkeit von vier Wochen ab Erzeugungsdatum an. Andere Betreiber nennen acht Wochen, mindestens einer legt sich gar nicht fest. Verschiebt sich der Baubeginn um vier Wochen, ist damit nicht nur das Projekt verschoben, sondern ein Teil der Auskünfte ungültig. Für diese Betreiber beginnt der Vorgang von vorn.
Zahlen zur kostenlosen Leitungsauskunft kursieren viele und sind selten belegt. Deshalb hier eine Rechnung, bei der jede Annahme sichtbar ist und die Sie durch Ihre eigenen Werte ersetzen können.
Angenommen, ein mittleres innerstädtisches Vorhaben berührt vierzehn Stellen. Das ist keine gegriffene Zahl, sondern die Größenordnung eines realen Projekts aus unserer Ablage.
Angenommen weiter, pro Stelle fallen an: fünfzehn Minuten für Ermittlung und Zugang, zehn Minuten für das Stellen der Anfrage, zwanzig Minuten für Nachfassen über mehrere Anläufe, zehn Minuten für Sichtung und Ablage der Antwort. Das sind fünfundfünfzig Minuten je Stelle, also rund dreizehn Stunden für die Runde.
Dazu kommen einmalige Posten: das Zusammenstellen der Unterlagen, die Klärung der Flurstücksangaben, die Abstimmung im eigenen Haus. Zwei bis drei Stunden sind dafür nicht hoch gegriffen.
Und dazu kommt der Wiederholungsfall. Verschiebt sich der Baubeginn, sind erfahrungsgemäß nicht alle, aber einige Auskünfte neu einzuholen. Bei drei Stellen sind das noch einmal rund zweieinhalb Stunden.
Man landet damit für ein einziges Projekt bei etwa achtzehn Stunden. Diese Stunden verteilen sich über Wochen, fallen in Halbstundenschritten an und werden selten irgendwo erfasst. Genau deshalb hält sich der Eindruck, die Leitungsauskunft sei kostenlos.
Rechnen Sie diese achtzehn Stunden mit Ihrem eigenen internen Stundensatz durch. Dann haben Sie den Betrag, den Ihr Unternehmen für die kostenfreie Auskunft aufwendet.
Bis hierhin ging es um Zeit. Der größere Posten ist ein anderer.
Der Bauschadensbericht der VHV-Versicherungsgruppe weist für Deutschland jährlich über hunderttausend beschädigte Kabel und Leitungen aus. Nicht jeder dieser Fälle beginnt am Baggerhebel. Etliche beginnen Wochen früher, bei einer Vorbereitung, die eine Stelle nicht erfasst hatte.
Hier liegt der eigentliche Haken am kostenfreien Weg, und er ist eine Frage der Rückmeldung. Ein Portal kann berichten, welche Antworten eingegangen sind. Es kann nicht berichten, welchen Betreiber es überhaupt nicht kennt. Dieser Betreiber taucht in keiner Übersicht auf, auch nicht als Warnung.
Was ein einziger übersehener Netzbetreiber nach sich zieht, entscheidet sich danach, was in seinem Graben liegt. Die Spanne beginnt bei einer Reparaturrechnung, läuft über einen stehenden Bautrupp und endet dort, wo es nicht mehr um den Bauablauf geht, sondern um Menschen und Dritte.
Die Leitungsauskunft ist kostenlos, aber nicht aufwandsfrei, und der Aufwand ist der eigentliche Punkt. Die Frage für ein Bauunternehmen oder ein Planungsbüro lautet deshalb nicht, ob die Auskunft ein Entgelt verlangt, sondern wer die achtzehn Stunden übernimmt und wer dafür geradesteht, dass die Runde vollständig war.
Wird die Arbeit intern erledigt, ist sie trotzdem bezahlt worden, nur an anderer Stelle im Betrieb. Wird sie vergeben, verschiebt sich der Aufwand zu jemandem, der die Zugänge bereits hat, die Wege kennt und die Fristen je Betreiber mitführt.
Genau das ist unsere Arbeit. Wir stellen anhand des Projektgebiets fest, wen ein Vorhaben berührt, bedienen jeden geforderten Kanal, fassen nach und dokumentieren den Stand so, dass er auch ein Jahr später noch belegbar ist. Was die Leistung im Einzelnen umfasst, steht auf der Seite zur Leitungsauskunft. Umgekehrt hinterlegen Netzbetreiber ihre Leitungen bei Trassenschutz, damit Bauanfragen sie ohne Umweg erreichen.
In aller Regel nicht. Die großen Sammelportale sind für Anfragende kostenfrei, und auch die Portale einzelner Netzbetreiber verlangen für die Auskunft selbst kein Entgelt. Bezahlt wird nicht die Information, sondern die Arbeitszeit, die bis zur vollständigen Runde anfällt.
Gemessen hat das niemand, deshalb hier eine Modellrechnung mit offenen Annahmen. Für ein mittleres innerstädtisches Vorhaben mit vierzehn beteiligten Stellen und fünfundfünfzig Minuten je Stelle für Ermittlung, Anfrage, Nachfassen und Ablage kommt man auf rund dreizehn Stunden, mit einmaligen Posten und den nach einer Verschiebung neu einzuholenden Auskünften auf etwa achtzehn. Ersetzen Sie die Annahmen durch Ihre eigenen Werte.
Weil er in Halbstundenschritten über Wochen verteilt anfällt und selten auf einen Vorgang gebucht wird. Genau deshalb hält sich der Eindruck, die Leitungsauskunft sei kostenlos. Wer wissen will, was sie das eigene Haus wert ist, multipliziert die eigene Stundenzahl mit dem internen Stundensatz.
Nicht die Zeit, sondern die übersehene Stelle. Der Bauschadensbericht der VHV-Versicherungsgruppe weist für Deutschland jährlich über hunderttausend beschädigte Kabel und Leitungen aus. Ein Teil davon beginnt nicht am Baggerhebel, sondern bei einer Vorbereitung, die einen Betreiber nicht erfasst hatte.
Das hängt am internen Stundensatz und an der Zahl der Projekte im Jahr. Die Rechengröße ist nicht das Entgelt für die Auskunft, sondern der eigene Zeitaufwand je Projekt und die Frage, wer dafür geradesteht, dass die Runde vollständig war.
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